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Ist das schön hier!

Das ist die schönste Wanderung, die wir auf unserer gesamten Reise gemacht haben!

Ist das nicht schön hier?

Guck mal, wie schön!

Schön, oder?

Ja, ich habe keine Zweifel, dass Jan die letzten 10 Tage gefallen haben! Mir aber auch. 😉

Wir gingen wieder auf eine Fahrradtour. Diesmal rüber in die USA, wo wir über die San Juan Islands sowie Fidalgo und Whidbey Island nach Port Angeles radelten. Von dort legen Fähren zurück nach Victoria auf Vancouver Island ab. Insgesamt war die Tour etwa 270 km lang. Und etwa halb so viele Kilometer legt man zwischendurch mit der Fähre zurück.

Für mich hat es immer etwas Faszinierendes, wenn ich in der Nähe einer Staatsgrenze bin und ohne lange Reise in ein anderes Land fahren kann. Allein schon, wenn man das Straßenschild sieht, das Dir nicht den Weg zu einer anderen Stadt, sondern in ein anderes Land anzeigt. Irgendwie lässt es mich immer vermuten, dass es in nur wenigen Kilometern ganz anders aussieht. So wie wenn man kurz hinter Karlsruhe die französische Grenze überquert und alle Straßen von bunt gefüllten Blumenkästen geschmückt werden. Für Kanada ist dieser Nachbar natürlich die USA und von Vancouver Island ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten nur eine kurze Fahrt mit der Fähre entfernt.

Die Einreise in die USA ging erstaunlich schnell vonstatten: unsere Reisepassbilder wurden nur pi mal Auge gegengeprüft, und drin waren wir! Kein Fingerabdruck, kein Augenscan, kein Verhör – und vor allem keine zwei Stunden langen Warteschlangen… 😎

Die San Juan Islands, der kleinste Bezirk des US-Bundesstaats Washington, bestehen aus 172 Inseln, Felsen und Riffen – bei Flut. Bei Ebbe steigt diese Zahl auf 743 an.

Als erstes setzten wir nach San Juan Island über, wo wir abends um halb acht in der Hafenstadt Friday Harbor ankamen. Von dort sind es noch 16km zur Campsite, die am anderen Ende der Insel liegt. Erst liebäugelten wir damit in Friday Harbor im Hostel einzukehren, aber 100 US$ überzeugten uns dann doch nochmal in die Pedale zu treten.

Mit dem letzten Sonnenlicht kamen wir am Campingplatz an, der malerisch am Meer liegt. Zu unserem Glück gibt es dort ein paar kleine extra Campingflächen für alle, die aus eigener Kraft anreisen: sogenannte Hiker/Biker-Campgrounds. Diese lagen 1. Klasse-mäßig nochmal näher am Meer als die reservierbaren Flächen. Und unsere Campingnachbarin erzählte, dass einige Camper am Morgen Orcawale vor der Küste gesehen hätten! 🐬

Hiker/Biker Camp im San Juan County Park

Am nächsten Morgen wachte ich früh auf. Die ersten Sonnenstrahlen fielen schon auf unser Zelt. Ich schloss nochmal die Augen und genoss dösend die Wärme im Gesicht. Da dämmerte es mir… irgendwas war doch… richtig, die Orcawale! Ich spähte aus dem Zelt und sah die Camper-Versammlung am Ufer. Einige von ihnen deuteten mit ihren Armen aufs Meer hinaus. Aaaaah!

Schnell schnappte ich meine Kamera und sprintete zu ihnen. Ich sah: nichts. Abwarten. Leider kam kein Wal mehr an die Wasseroberfläche. Aber das war glücklicherweise nicht meine einzige Chance. Am nächsten Morgen würde ich schon um sieben Uhr am Ufer sitzen. Und mir würde nichts entgehen!

Kein Orca in Sicht…
Hatten diese Camper mehr Glück?

Nach dieser kleinen Enttäuschung schwangen wir uns für eine Tour über die Insel auf unsere Räder. Erster Stop war der Lime Kiln Point State Park – der beste Ort auf der Insel um Orcas zu beobachten. Jedoch sprangen uns auch dort keine vors Auge.

Leuchtturm des Lime Kiln Point State Park – wieder ohne Orca.

Wir folgten weiter der Straße am Meer entlang, als Jan einen Weißkopfseeadler in einem Baum entdeckte. Wir hatten bereits einige während unserer Zeit auf Vancouver Island gesehen, aber sie flogen meist weit über unseren Köpfen. Dieser war zwar hinter einigen Zweigen gut versteckt, jedoch ziemlich nah an uns dran!

Weißkopfseeadler

Vorbei an der berühmten Lavendelfarm der Insel radelten wir nach Friday Harbor, wo sich die kulinarische Crème der la Crème der Insel tummelt. Einen Burger und einen Cheesecake später waren wir zwar gestärkt, aber unsere Beine von den Kalorienbomben auch ganz schön träge. Zum Glück gibt es ja den bikerfreundlichen Inselbus! 🚌

Pelindaba Lavendelfarm
Es ist schwer zu übersehen, dass wir in den USA sind
Inselzentrum Friday Harbor
Cheesecake-Café

Mit dem Inselbus fuhren wir die zweite Hälfte unserer Inselumrundung bis zur Insel-Alpakafarm. Ja, auf San Juan gibt es nicht nur eine Insel-Lavendelfarm und eine Insel-Alpakafarm, sondern auch ein Insel-Weingut (was übrigens zum Verkauf steht), eine Insel-Käserei und sogar einen Insel-Jahrmarkt – diesen aber zumindest nur an wenigen Tagen im Jahr.

Idyllischer geht’s nicht…
Nie gab es Limo, wenn wir an diesem Schild vorbeigefahren sind…

Auf dem Rückweg zu unserem Campground im San Juan County Park entdeckten wir noch diese tolle Kunstsammlung am Straßenrand!

Am nächsten Tag nahmen wir schweren Herzens Abschied von unserer Premium-Campsite und fuhren zur nächsten der San Juan Islands: Orcas Island. Wieder einmal hieß es für uns vom Fährhafen ans andere Ende der Insel zu radeln, um unser Nachtlager aufzuschlagen. In diesem Fall 25 km.

Abfahrbereit!
Unsere Fähre
Überfahrt nach Orcas Island
Kein Anblick, den man sehen will, wenn man gerade den Hügel erklommen hat…

Die Campsite im Moran State Park hat zwei klare Vorteile: Sie liegt an einem See und hat für die weniger Hartgesottenen sogar Duschen. Denn ’duschen’ im Meer wie auf San Juan Island ist wirklich eine immense Überwindung! So kalt!!!

Auch im Moran State Park gibt es eine extra Hiker/Biker-Campsite. Anders als auf San Juan jedoch nicht in Premium Location, sondern einen Kilometer vom See entfernt. Bergauf versteht sich.

Auf dem Pinot Grigio steht, dass er ausgezeichnet zu Thunfisch passt!
Unsere Campsite im Moran State Park
Learning: Jeder campende Amerikaner muss jeden Abend ein Feuer machen…

Auf Orcas Island ist die Erklimmung des Mount Constitution, dem zweithöchsten Inselberg der USA, ein Muss. Ist mit bescheidenen 730 Höhenmetern auch mehr als machbar. 😅 Als wir jedoch am Morgen aufwachten, war der Himmel komplett in Wolken gekleidet. Schnell verwarfen wir den Plan noch an diesem Tag auf den Mount Constitution zu wandern. Nachdem wir uns noch dreimal auf unserer Luftmatratze umgedreht hatten, fuhren wir stattdessen ins Inselzentrum Eastsound. Mit dem Bus. 😎

Eastsound, Orcas Island
Zu der Insel kann man bei Ebbe sogar hinspazieren.

Die folgende Nacht hatten wir kaum ein Auge zugetan, nicht zuletzt weil um unser Zelt herum eine Horde Rehe genüsslich Gras abriss und schmatzte, abriss und schmatzte, abriss und schmatzte… 🦌 Irgendwie ja süß und Natur pur und so, aber auch nicht die beste Voraussetzung für die uns bevorstehende herausfordernde Wanderung zum Mount Constitution. Zumindest wenn man der Broschüre des Moran State Park Glauben schenkt. 🤔

Als wir jedoch in einem Baum neben unserem Zelt einen Uhu erspähten, war alle Müdigkeit sofort vergessen! Erst recht als er sich im Sturzflug eine Maus schnappte und für sein Festmahl von dannen flog. Hm, Natur ist eben doch cool. 😍

Uhu!

Man hat drei Möglichkeiten auf den Gipfel des Mount Constitution zu gelangen: a) Man wandert den etwa 10km langen Rundweg, b) man quält sich mit dem Fahrrad hoch und genießt den Fahrtwind bei der Talfahrt – oder c) man steigt einfach ins Auto. Auch wenn letztere Möglichkeit für uns natürlich flachfällt, steht Dank dieser Option auf dem Gipfel ein Eiswagen. Genau die richtige Motivation, wenn man sich für Variante a oder b entscheidet.

Da unser Versuch den Mount Tuam auf Salt Spring Island mit dem Rad zu erklimmen gnadenlos gescheitert ist, wählten wir die Option zu wandern. Laut Parkbroschüre hat die Wanderung die höchste Schwierigkeitsstufe und ist mit einem steilen Anstieg verbunden. Es ist schon wirklich lustig, wie der Schwierigkeitsgrad dieses Unterfangens maßlos übertrieben wird.

Der Weg verlief zunächst entlang des schönen Mountain Lake und dann durch Nadelwald. Wer noch liebt den Geruch der von der Sonne erwärmten Fichtennadeln? 🙋

Mountain Lake
Twin Lakes
Aufstieg!
So ein Schild will man am Ende eines Aufstiegs sehen!

Der Ausblick vom Gipfel auf die anderen Inseln der Salish Sea war definitiv jeden Meter wert!

Durch Zufall hatten wir den Rundweg entgegen der empfohlenen Richtung genommen, was sich jedoch als die deutlich schönere Variante herausstellte: Als wir den Gipfel betraten, erstreckte sich vor uns unverhofft die tolle Aussicht auf die Salish Sea. Auf dem Rückweg begleitete uns diese Aussicht noch einige Zeit und wir konnten langsam von ihr Abschied nehmen. Geht man den Weg andersherum, hat man beim Erreichen des Gipfels eigentlich alles schon vorher gesehen…

Achso, und laut Jan war das insgesamt auch der schönste Wanderweg und die schönste Aussicht, die wir in den letzten zehn Monaten genossen haben. 🙄

Mountain Lake und Salish Sea

Nach einer kurzen “Dusche” im Mountain Lake, kehrten wir hungrig zu unserem Zelt zurück. Leider hatten sich unsere Vorräte rapide zu Ende geneigt: zwei Packungen Ramen-Nudeln, eine Mango und eine viertel Tüte Chips waren noch übrig. Nicht unbedingt, wonach der Magen nach einer Wanderung verlangt… Und überhaupt: Kann man davon zu zweit wohl eine Nacht überleben? 🤔

Traurige Ausbeute – wie lange kann man davon zu zweit überleben?

Am nächsten Tag zogen wir weiter und nahmen die Fähre nach Anacortes auf die Fidalgo-Halbinsel. Nach fünf Nächten im Zelt mit Kälteattacken und stündlich eingeschlafenen Gliedmaßen entschieden wir uns in Anacortes für eine Nacht im Motel. Als wir eincheckten die gute Nachricht: Wir kriegen ein Upgrade ins neue Bed & Breakfast. Das hielten sie extra für diejenigen Gäste zurück, die besonders gepflegt aussehen. O-Ton clean people. Interessant… Ich will ja nicht wissen, was für Publikum dort sonst einkehrt, wenn zwei durchgeschwitzte Gestalten auf dem Fahrrad als gepflegt durchgehen… Zugegeben, das Motel sah auch wirklich wenig einladend aus…

Das Bed & Breakfast stellte sich zwar als Bed ohne Breakfast heraus, war aber ansonsten der Himmel auf Erden. Ein Bett ist doch schon was Feines. Und eine warme Dusche, die nicht nach drei Minuten ausgeht, wenn die Duschmünze aufgebraucht ist. Und ein weiches Handtuch – dazu noch eins für jeden von uns ganz alleine. 😅

Unser Heim für die Nacht wollten wir am liebsten keine kostbare Minute verlassen. Für einen kurzen Abstecher fuhren wir zwar zum Diner, dann aber sofort wieder zurück in unsere Unterkunft. Und das Timing hätte nicht besser sein können: Es war Sonntag, wir hatten einen großen Fernseher und HBO-Empfang… 👑 – und fast zwei Drittel der Gesamtstrecke unserer Radtour lag noch vor uns. 😅

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