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Roadtrip nach Tofino – Unsere letzten Tage auf Vancouver Island

Ganze fünf Wochen waren wir nun rund um Vancouver Island unterwegs und sind dabei ganz gut um die üblichen Tourirouten herumgekommen. Da uns aber nicht nur jeder unserer Freunde, der schonmal hier war, sondern auch alle Locals einen Besuch Tofinos ans Herz legten, verbrachten wir die letzten Tage an Vancouver Islands Westküste.

Für Spontanreisende ist ein Trip nach Tofino nicht ohne einen kleinen Nervenzusammenbruch möglich. Alle, wirklich alle Unterkünfte sind den gesamten Sommer wochen- wenn nicht gar monatelang im Voraus ausgebucht. Selbst die Campingplätze. Und AirBnB spuckt Vorschläge ab 500 Euro pro Nacht aus. 🤔 Für zwei unserer geplanten drei Nächte konnten wir dann aber doch noch einen Platz auf einem abseits gelegenen Campingplatz reservieren. Die weitere Nacht würde sich schon irgendwie etwas finden.

Wir mieteten uns für den Ausflug das erste Mal während unserer gesamten Reise ein Auto. Was auch heißt: Das erste Mal seit zehn Monaten wieder Auto zu fahren! Ob wir es wohl verlernt haben? Eins aber kann ich Euch sagen: Was für ein Gefühl der Freiheit! ✌️

Bei wunderschönstem Sommersonnenwetter – wie wir es seit fünf Wochen hier gewohnt sind – düsten wir los Richtung Nordwesten. Unsere neugewonnene Freiheit wollten wir auskosten und überall anhalten, wo es uns anhaltenswert erschien. Erster Stop: Cathedral Grove. Ich korrigiere: erster Stop Tim Hortons (quasi das kanadische Starbucks). Dann Cathedral Grove. 😅

Cathedral Grove ist einer der wenigen verbleibenden Primärwälder auf Vancouver Island. In diesem Falle bis zu 800 Jahre alte Bäume, die 75m hoch sind. Auch wenn die Insel viele Wälder hat und überaus grün erscheint, sind doch die meisten Bäume sehr jung. Und sie werden es auch bleiben, da die Forstwirtschaft eine der wichtigsten Industrien der Region ist.

So gesehen finde ich Cathedral Grove allem voran erschreckend, da es bewusst macht, wie eigentlich die komplette Insel aussehen könnte (müsste?). Und noch etwas wurde uns schlagartig bewusst: Es gibt sehr wohl sehr viele Touristen auf Vancouver Island – nur hatten wir sie bisher gekonnt umschifft. Hier im Cathedral Grove war es mehr als proppenvoll und der Parkranger lächelte müde, dass sich halb Deutschland im Park befinden müsse… 🙅🏼‍♀️

Full House am Cathedral Grove
Zu viele Touristen – ich guck lieber nach oben…
Das Ende des Baumes ist mit bloßem Auge kaum zu sehen.

Deswegen stiegen wir schnell wieder ins Auto und fuhren weiter. Entlang der Strecke Richtung Tofino kommt man an zahllosen Seen vorbei. Wir hielten am Sproat Lake für einen Sprung ins Wasser an. Von der Parkbucht führte ein kleiner Pfad durch das bewaldete Ufer zum See hinunter. Und auch wenn wir den riesigen See natürlich nicht ganz für uns alleine hatten, fühlte es sich hier doch so an. Das Wasser war so herrlich – ich hätte den ganzen Tag darin schwimmen können. Vor allem bei der Kulisse auf die schneebedeckten Berggipfel, die man von der Mitte des Sees sehen konnte. 🏞️

Straße zum Sproat Lake
So klares Wasser!
Ich war übrigens auch drin!

Erfrischt sprangen wir wieder ins Auto – bis Tofino bzw. zum Pacific Rim National Park lagen immerhin noch zwei Stunden Fahrt vor uns. Aber die Strecke ist einfach so wunderschön, dass wir noch weitere dreimal einen Zwischenstopp einlegen mussten: Am Clayoquot Plateau Provincial Park, am Canoe Creek Trail und am Lake Kennedy.

Der schöne Pacific Rim Highway
Clayoquot Plateau Provincial Park
Glasklare Angelegenheit
Alte Zedern am Canoe Creek Trail
Baum mit Loch
Kennedy Lake

An der Westküste angekommen, ging es natürlich erstmal an den Strand. Aber mehr als die Füße ins Wasser zu halten, brauchten wir für eine Erfrischung nicht.

Endlich an der Westküste angekommen: Florencia Bay
King’s Landing

Nachdem wir an einem einfachen, aber zweckmäßigen Campingplatz doch noch einen Platz für die Nacht gesichert hatten, fuhren wir in die untouristischere Schwesterstadt Tofinos: Ucluelet.

Am Ende der Halbinsel von Ucluelet: Amphitrite Point Lighthouse
Ein Reh hat sich an den Leuchtturm verlaufen.
Ich wollte unbedingt ein Surfer-läuft-in-den-Sonnenuntergang-Bild haben…
…aber schlussendlich war dieses Motiv viel cooler!

Ich bin immer wieder überrascht, was man an einem einzigen Tag alles sehen, erleben und genießen kann!

Ein Blick auf die Wettervorhersage der nächsten zwei Tage zeigte, dass wir es genau richtig gemacht haben, diesen Tag auszunutzen. Denn für die kommenden zwei Tage war Regen gemeldet. Danach wieder Sonne. 😒 Aber wir dürfen uns wirklich nicht beschweren: Seit fünf Wochen hat es nur eine einzige Nacht geregnet und wir haben den Jahrhundertsommer überhaupt hier erleben dürfen. Auch wenn solch ein Sommer natürlich für die Natur nur schwer zu verkraften ist. Nicht zuletzt haben ungewöhnlich viele Waldbrände in British Columbia gewütet. Und ehrlich gesagt: Es hätte schlimmer kommen können als genau dann im Regen zu urlauben, wenn wir ein Auto zur Verfügung haben.

Am nächsten Morgen war der Himmel wie vorhergesagt grau. Eigentlich liebäugelten wir damit direkt wieder wegzufahren Richtung tendenziell trockenere Ostküste. Allerdings hatten wir ja den Spot auf dem Campingplatz reserviert und konnten diesen so kurzfristig nicht mehr stornieren. Wie sich herausstellte, mussten wir sogar mindestens zwei Nächte bleiben bzw. bezahlen. Wir wollten also zumindest eine bezahlte Nacht auch nutzen. Ok, ich wollte eine Nacht nutzen. Jan ist da schmerzbefreiter.

Wir fuhren erstmal nach Tofino. Tofino ist ein schnuckeliger Ort mit einem ganz besonderen Flair und traumhafter Lage. Vor allem fällt aber auf: In Tofino ist man entweder Hippie oder Deutsch. Dem hier geschulten Ohr fällt unser deutscher Dialekt natürlich sofort auf. Dabei wollen wir doch gar nicht Teil der üblichen Touristenströme sein. Wir hatten uns auf unseren vorherigen Touren ganz gut daran gewöhnt die einzigen Nicht-Locals zu sein! 😇

Tofino
Streetart wortwörtlich genommen
Die perfekte Welle für Fußgänger
Hafen von Tofino
Noch ein paar Fetzen Blau am Himmel – aber nicht mehr lange…

Wir fuhren wieder zurück ins etwas entspanntere Ucluelet, wo wir Michael kennenlernten. Er ist für eine Wal-Reportage auf Vancouver Island unterwegs. Es gibt sie also doch noch: Die nicht typischen Touristen, die sich hier trotzdem wohl fühlen. Und weil es inzwischen unentwegt nieselte, schauten wir uns noch in einem T-Shirt-Shop um, der ganz wunderbare Drucke anbot. Eigentlich wollte ich wirklich wirklich nichts kaufen, aber bei diesem süßen Erinnerungsstück konnte ich einfach nicht widerstehen.

Bärenstarker Pulli

Viel war mit diesem verregneten Tag einfach nicht mehr anzustellen und so verkrochen wir uns in unser Zelt. Am nächsten Tag sah es nullkommagarnicht besser aus. Das Zelt war klitschnass und wir bauten es im Regen ab. Gepfiffen auf die dritte Nacht an der Westküste: Wir fahren Richtung Sonne!

Unterwegs gabelten wir noch Fritz auf – endlich konnten wir unsere immense Hitchhiking-Schuld aus Neuseeland zumindest ansatzweise anfangen abzubezahlen! Wir machten nochmals Stopp am Sproat Lake, der nach wie vor wunderbar zum Schwimmen war, und brachten Fritz zur Fähre nach Nanaimo.

Doch dort, wo die Sonne scheint, waren wir irgendwie noch immer nicht angekommen… Wir fuhren also von der Ostküste wieder zurück Richtung Westen (jedoch deutlich südlicher) auf der Suche nach Sonne. Vorbei am Cowichan Lake fuhren wir bis zum Fairy Lake – wo wir schließlich die Suche aufgaben und im Nieselregen unser Zelt aufbauten.

Regenzelt und Regenauto am Fairy Lake

Auch am nächsten Morgen sah es nicht besser aus: Die Küste bei Port Renfew lag verhangen in Nebel und Nieselregen. Erst als wir uns Victoria auf etwa 30 km genähert hatten, lichtete sich der Himmel und die Sonne strahlte auf uns herab. Wie sangen wir so schön noch vor einigen Wochen auf dem Victoria Symphony Splash “Everybody loves Victoria” – und jetzt wissen wir einmal mehr, warum.

Victoria Symphony Splash

Zurück in Victoria war er gekommen: Der letzte gemeinsame Abend mit Dan. Ich denke, er hat es selber nicht gedacht (und vielleicht auch nicht gehofft), dass wir ihm ganze fünf Wochen auf den Senkel gehen. Zwar waren wir auf einigen zweisamen Erkundungstouren, sind aber zwischendurch immer wieder bei ihm untergekommen und haben einiges zusammen unternommen, wovon ich hier auf dem Blog nichts geschrieben habe. Wie zum Beispiel einen Segelausflug mit der Mañana voriges Wochenende bei herrlichem Sonnenschein und bestem Segelwind. Was für ein schöner Abschied von dieser tollen Zeit auf Vancouver Island.

Danke Dan für alles – you are amazing!

Perfektes Segelwetter
Kurs auf Mount Baker
Immer wieder Robben neben uns im Wasser!
Segeln mit Dans Schwester Tanya und Mutter Suzy
The amazing Dan

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