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Die letzte Woche verbrachten wir mit einer Fahrradtour über die südlichen Gulf Islands. Diese liegen in dem Meergebiet zwischen Vancouver Island und dem US-Bundesstaat Washington. Insgesamt zählen an die hundert Inseln zu der Inselgruppe. Jedoch werden nur die fünf größten von den Fähren von BC Ferries angesteuert.

Gulf Islands

Für unsere Rundreise über die Inseln machten wir zwei Mountainbikes klar. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir jedoch noch nicht, wie wortwörtlich wir ihre Mountain-Tauglichkeit zu spüren bekommen würden.

Eines der beiden Fahrräder lieh uns Dan. Außerdem zwei Satteltaschen und Fahrradhelme, die in British Columbia Pflicht sind. Das andere Fahrrad erworben wir über die lokalen Kleinanzeigen. Mit neuen Bremsen, Griffen und einer Klingel brachten wir es für unsere Tour in Schuss.

Startklar!

Ohne Plan, welche der Gulf Islands wir genau besuchen oder wie viele Kilometer wir täglich absolvieren wollten, radelten wir 30 km Richtung Swartz Bay. Von dort brechen die Fähren zu den Gulf Islands auf. Und obwohl wir zuvor ausschliefen, uns von Dan mit selbstgemachten Pancakes verwöhnen ließen und erst danach unsere Sachen packten, standen wir kurz nach 13 Uhr am Hafen und warteten auf die Fähre. Wir beschlossen als erstes nach Saturna Island überzusetzen, die abgelegenste und mit 300 permanenten Einwohnern am wenigsten besiedelte der größeren Gulf Islands.

Fähre nach Saturna Island
Saturna in Sicht!

Als wir auf Saturna Island ankamen, steuerten wir den General Store auf der Insel an, um uns für unser Abendessen einzudecken. Unser angepeilter Campingplatz lag nämlich am anderen Ende der Insel. Und außer genanntem General Store und einem Pub am Hafen, gibt es auf der Insel nicht viele Verpflegungsoptionen. Vor allem hieß es uns aufs Nötigste zu beschränken, da in unseren Fahrradtaschen nicht mehr allzu viel Platz frei war. Natürlich zählte mein Feierabend-Cider zu diesen allernotwendigsten Einkäufen. 😇

Vom General Store sind es 10 Kilometer bis ans andere Ende der Insel. Obwohl keine der Gulf Islands den Ruf hat sonderlich flach zu sein, war die Strecke erstaunlich einfach. Glücklicherweise starteten wir unsere Fahrradtour am letzten Tag eines langen Wochenendes. So befanden sich alle anderen Urlauber bereits wieder auf der Heimreise, als wir an der kleinen Campsite Narvaez Bay ankamen. Der Campingplatz ist wunderschön idyllisch in einer Meeresbucht gelegen, die wir erstmal erkundeten.

Kurzer Weg von der Campsite ans Meer
Sieht jemand den Fischreiher?
Campsite mit Früchten
Ein guter Campingmorgen beginnt mit einer Portion Porridge.

Das Schöne an den Gulf Isands ist, dass es keine Bären (oder gar Wölfe) gibt, so dass man beruhigt im Zelt schlafen kann. Da am nächsten Morgen Ebbe war, verwarfen wir unseren Plan im Meer zu baden und radelten stattdessen entlang der Insel zurück zum General Store. Dort trifft sich morgens scheinbar jeder, um seinen Morgenkaffee auf der Terrasse des Ladens zu genießen. So machten wir das also auch und ließen den restlichen Morgen an uns vorüberziehen.

Live like a local.

Bald hieß es wieder Richtung Hafen aufzubrechen, um von dort in die nächste Fähre zu steigen. Ziel: Galiano Island. Die Insel erstreckt sich über eine Länge von 26km, ist jedoch nur bis zu 6km breit – und hat den Ruf die hügeligste der hügeligen Gulf Islands zu sein.

Jaaaa, das konnten wir auf jeden Fall auf der Fahrt zum Campingplatz am Montague Harbour bestätigen. Wobei mir der Weg, den wir bergab genießen, meist bedrohlich länger vorkommt, als der Weg den wir dafür bergauf strampeln mussten. Vor allem in Hinblick auf den bevorstehenden Rückweg… Eine Entscheidung war auf jeden Fall schnell gefällt: Galiano Island werden wir nicht der gesamten Länge nach erkunden!

Auf Galiano Island nimmt man besser den niedrigsten Gang.

Und noch etwas wurde uns schlagartig bewusst: Die Expect deer at all times-Schilder haben umso mehr ihre Berechtigung, wenn man auf dem Fahrrad unterwegs ist. Direkt vor Jan rannte ein Reh über die Straße und die beiden wären um ein Haar ineinander geprallt. Ich weiss nicht, für wen von beiden das unschöner ausgegangen wäre…

Auf dem Montague Harbour Campingplatz waren leider bereits alle offiziellen Campsites belegt, als wir am Abend ankamen. Glücklicherweise gibt es jedoch einen Overflow-Bereich, wenn besonders viel Camperandrang herrscht. Der Overflow-Bereich ist zwar nicht ganz so schön wie die richtigen Spots, aber selbst diese Plätze haben ihren eigenen Campingtisch.

Unser Camp sieht im Vergleich zu den Nachbarn…
…ziemlich bescheiden aus.

Nachts trieb eine Waschbärenbande auf dem Campingplatz ihr Unwesen und klaute, was nicht niet- und nagelfest war. Schon erstaunlich, dass viele Kanadier so viele Sachen draußen über Nacht liegen lassen. Augenscheinlich sind sie doch eine Campernation und sollten wissen, was das Begehren der heimischen Tierwelt weckt… Als es im Morgengrauen immer noch im Gebüsch raschelte, schaute ich aus dem Zelt. Ich erwartete, dass sich die Waschbären nochmal zeigten. Doch dann war es ein Reh, das sich gerade aus dem Gebüsch über den Campingplatz schlich! 😍

Auch wenn wir hier eigentlich gerade eine Mehrtages-Radtour machten, wünschten wir uns bereits an diesem dritten Tag, möglichst wenig Zeit auf dem Sattel zu verbringen. Kurzerhand fuhren wir zum Mount Galiano Trail, um den höchsten Berg der Insel hinaufzuwandern. Keine falsche Bescheidenheit – der Berg ist gerade mal 341m hoch, aber die Aussicht dafür atemberaubend! Leider etwas eingeschränkt, da die Luft von dem Rauch der Waldbrände auf dem Festland ziemlich trüb ist.

Auf zum Mount Galiano!
Räder bleiben unten.
Selbst bei eingeschränkter Sicht superschön!

Am Abend ging es für uns in den Hummingbird Pub. Zu unserem Glück mussten wir uns dafür nicht auf unsere Räder schwingen, sondern konnten auf den Hummingbird Bus ausweichen. Ok, sagen wie mal so: Würde dieser Bus nicht fahren, hätten wir definitiv eine Runde Ramennudeln auf unserem Campingkocher vorgezogen, als den 2km Anstieg Richtung Pub zu radeln.

Der Hummingbird Bus ist wohlgemerkt nicht irgendein Shuttlebus! Der Busfahrer drückt jedem seiner Fahrgäste beim Einsteigen ein Instrument aus seiner bunten Sammlung in die Hand. Während der Fahrt musizieren alle gemeinsam zu den Lieblingssongs des Busfahrers, was das Zeug hält. 🕺🏻 Klingt… ohrenbetäubend. 😅

Alle machen mit – auch der Busfahrer selbst!

Als nächste Insel steuerten wir Salt Spring Island an – mit über 10.000 Einwohnern die größte der Gulf Islands. Obwohl direkt neben Galiano Island liegend, dauerte die Überfahrt geschlagene 1,5 Stunden. Auf dem Weg klappert man Mayne Island und Pender Island ab, die wir jedoch auf unserer Tour ausließen. Salt Spring Island hat nicht nur drei Fährhafen, sondern auch zwei Ortschaften, wovon der größere Ort Ganges sogar einen Supermarkt hat. 🤘 Wie gut, dass Ganges auf unserem Weg zwischen Fähre und Campingplatz lag. 😎

Die Fähre nach Salt Spring Island ist in Sicht!

Was uns leider nicht so richtig bewusst war: Unser Campingplatz Ruckle Park an der südlichen Spitze der Insel liegt mühsame 17km von Ganges entfernt. Sehr sehr mühsame 17km. Das klingt nach nicht viel, fühlt sich aber beim ständigen Bergauf und Bergab elendig lang an!!! Doch die Strapazen lohnen sich, denn die Campsite liegt direkt in den Dünen mit Blick auf die umliegenden Inseln. Was an den kanadischen Campingplätzen ganz toll ist: Man hat immer seine eigene “Bierzeltgarnitur” und viel Freiraum, so dass man sich keine Gedanken über die Sitten des Campingnachbars machen muss.

First-class Campingspot im Ruckle Park

Nachdem unsere Fahrt zum Campingplatz mehr als anstrengend war, war auch für Salt Spring Island klar: Es wird keine Wir erkunden die ganze Insel-Tour geben. Stattdessen dachten wir uns: Fahren wir doch auf den zweithöchsten Berg der InselMount Tuam. Eine 10 Kilometer lange Straße führt die 600 Höhenmeter auf den Gipfel hinauf. Klingt nicht schwer, oder? Nach 90 Minuten hatten wir die ersten 5 Kilometer hinter uns gebracht. Davon waren die letzten 500m bereits übelst steil. Wollen und können wir uns den restlichen Weg wirklich antun? Was gibt es da oben überhaupt zu sehen? Lohnt sich die Aussicht? Wir strampelten noch weitere 500m aufwärts und da passierte es das erste Mal in meinem Leben: Ich gab auf.

Zumindest fühlte es sich so an, als wäre es das erste Mal gewesen. Aber: Es war ein gutes Gefühl! ✌️ Vor allem, weil das 3 Minuten Downhill-Mountainbiken auf gar keinen Fall den 90 Minuten Kampf bergauf rechtfertigte!

Idyllisches Salt Spring Island
Apfelbaum…
Unzählige Farmstände säumen die Straßen von Salt Spring Island.
Ein bisschen Provence in Kanada.

Am nächsten Morgen besuchten wir noch den berühmten Saturday Market in Ganges. Glücklicherweise mussten wir nicht mit dem Rad fahren, sondern konnten ratzfatz den Bus nahmen. Ich hätte gedacht, dass ich die südamerikanischen Märkte unersetzlich vermissen werde. Aber: Dieser Markt konnte an Farbenvielfalt und Unwiderstehlichkeiten definitiv mithalten! ❤️

Saturday Market in Ganges
Bei dem Anblick schrumpft meine Sehnsucht nach den Früchten Südamerikas.
Mini-Melonen?

Mittags ging es für uns zurück nach Victoria auf Vancouver Island. Ich hätte angenommen, dass wir bei einer Mehrtages-Radtour locker an die 80km täglich zurücklegen. Tatsächlich lag unser Schnitt bei gerademal 35km! Mal sehen, ob wir das auf unserer nächsten Radtour steigern können. 🤗

Ganges, Saltspring Island