Schließen

Nach vielen kleinen Abenteuern auf Vancouver Island ging es für uns auf eine größere Tour: Vier Tage paddelten Dan, Jan und ich entlang der Sayward Forest Canoe Route. Die Route führt über zwölf Seen, die teilweise durch kleine Kanäle, teilweise durch Wanderwege miteinander verbunden sind.

Quelle: http://www.sitesandtrailsbc.ca

Zum Startpunkt der Route fährt man von Victoria aus gut vier Stunden. Da wir zum einen erst gegen zehn Uhr morgens starteten und zum anderen zweimal für ein paar Leckereien Pause machten, war es schon nach 17 Uhr, als wir endlich am Gosling Lake ankamen.

Der Danger Van

Wir verstauten schnell unser Hab und Gut auf dem Kanu und los ging’s! Mal sehen, wie weit wir vor der Dämmerung noch kommen würden!

Zeit für ein Gruppenfoto muss trotz später Stunde sein!

Mit ordentlich Wind im Rücken durchquerten wir den Gosling Lake schneller als gedacht und starteten unseren ersten Portage Trail, wie man die Wanderwege zwischen den Seen nennt. Das bedeutet, dass man nicht nur all sein Gepäck sowie die Verpflegung über den Verbindungsweg schleppt, sondern auch das Kanu. Da alles auf einmal zu tragen in der Regel zu schwer ist, nimmt man den Weg normalerweise zweimal. Bzw. dreimal: schwerbeladen hin, mit leeren Händen zurück und nochmal schwer beladen, bevor es mit dem nächsten Seeabschnitt weitergeht. Ihr könnt euch denken, dass das nicht nur mühselig ist, sondern auch viel Zeit in Anspruch nimmt.

Ich persönlich habe schon immer lieber riskiert alles fallen zu lassen anstatt zweimal zu gehen. Wobei klar war, dass das in diesem Fall nur funktioniert, wenn einer der Jungs alleine das Kanu schleppen kann. Bzw. sie sich dabei abwechseln. 😎

Captain Canoehead

Nach nur wenigen hundert Metern kam ein kleines Seeufer in Sicht. War das schon die erste Portage? Aber Jan war sich sicher, dass der erste Wanderabschnitt einen guten Kilometer lang ist. Also schleppten wir weiter. Und schleppten und schleppten und schleppten.

Nach zwei Kilometern checkten wir die Karte. Oh nein, nach dem Gosling Lake kamen eigentlich zwei kleinere Seen, die durch nur kurze Portage-Abschnitte miteinander verbunden waren. Wir liefen gerade um diese beiden Seen herum! Und da wir beim Checken der Karte genau auf der Hälfte des Weges angekommen waren, machte es auch keinen Sinn mehr zurückzugehen. Also hieß es für Dan, das Kanu wieder auf den Kopf zu laden. Ganz witzig: Auf englisch heißt jemand, der das Kanu auf dem Kopf trägt Canoehead! Tatsächlich trägt man es aber auf den Schultern. 🤔

Pause!

Irgendwann hatten wir die unfreiwillige und vor allem unfreiwillig längste Portage der gesamten Route überstanden und ließen uns im Kanu über den Mohan Lake gleiten. Inzwischen schwebte die Sonne nah über der Wasseroberfläche und es war mehr als an der Zeit uns ein Nachtquartier zu suchen.

Das Schöne an dieser Route ist, dass es viele hübsch angelegte und abgeschiedene kleine Campsites gibt, die man teilweise sogar nur vom Wasser aus erreichen kann. Einige der Campsites sind ganz ursprünglich und nur mit einer Feuerstelle ausgestattet, andere haben Holzpodeste für die Zelte und sogar ein Pumpsklo.

Wir steuerten eine kleine Insel an, die jedoch bereits von einer Familie belegt war. Weiter paddelten wir in eine Bucht. Doch auch dort sahen wir schon von weitem die gestrandeten Kanus und aufgebauten Zelte. Als wir uns näherten, schallte uns laute Musik entgegen. Wir waren zwar unsicher, ob die Musik uns tatsächlich bewusst abschrecken sollte – aber wenn doch, erfüllte sie definitiv diesen Zweck. 😅

Was war da los? Dan hatte uns eigentlich prophezeit auf dem Kanutrip keiner Menschenseele zu begegnen?!

Da wir auf dem Hinweg eine andere unbelegte Campsite erspäht hatten, paddelten wir wieder zurück. Kurz vor Sonnenuntergang bauten wir unsere Zelte auf und kochten uns ein spartanisches Abendessen.

Unser Zelt – das erste Mal im Einsatz seit fünf Monaten!
Unser neuer Gaskocher
Freut sich Dan auf sein Essen oder den versteckten Wein?
Ein bisschen Luxus muss sein!

Mein großer Wunsch war während unserer Tour einen Bären zu sehen. Aber als wir abends in unseren Zelten lagen, fand ich die Möglichkeit von Bären heimgesucht zu werden nicht mehr ganz so erstrebenswert. Auch wenn eine Bärenbegegnung eine seltene Glücksache ist. Aber es beruhigte mich auch einfach nicht, dass wir a) Bärenspray dabei hatten, b) unser Essen bärensicher an einen Baum hängten, und c) beim Verlassen des letzten Sees einen Bärenpfotenabdruck im Boden entdeckt hatten… 🐾

Außer ein paar Mäusen, die an unserem Zelt schnupperten, hatten wir glücklicherweise keine nächtlichen Besucher. Und am nächsten Tag sieht ja für gewöhnlich eh alles viel harmloser aus. 😅

Ein neuer Tag im Kanu!

An diesem Tag standen zwei lange Portage-Wege an: Eine 1,6km und eine 2,3km lange Wanderung mit Kanu auf den Kopf. Das klingt nicht lang, aber vor allem für den jeweiligen Mr. Canoehead ist das anstrengend und unbequem!

Am Ende der ersten langen Portage trafen wir auf eine Gruppe Engländer, die sich ebenfalls die Sayward Canoe Route vorgenommen hatten, jedoch noch gemütlich bei ihrem Frühstück saßen. Was sie alles dabei hatten! Ein riesiges Zelt, in dem man aufrecht stehen kann, und kistenweise Verpflegung – zusätzlich zu einem Kanu und zwei Kayaks. Mir dämmerte, dass sie den Ausflug tatsächlich mehr als Bootcamp denn als Erholung ansahen und womöglich wirklich eine Woche unterwegs sein würden…

Doch für uns ging es weiter durch den Twin Lake entlang endloser Seerosenfelder. ❤️❤️❤️

Als wir auf dem Amor Lake schipperten, entdeckten wir pünktlich zur Mittagszeit einen schwimmenden Steg, der mit Picknicktisch und -bänken ausgestattet war. Was für eine tolle Idee! Diese Einladung nahmen wir dankend an!

Wir tauften den Steg auf den Namen Lockerland!
Das Marmite mixte Dan in seinen Kaffee – aber nur einmal…
Mmmmh, so viel wärmer als im Meer!

Nach diesem wundervoll überraschenden Pausenplatz hieß es bald wieder: Portage! Und zwar die offiziell längste Strecke mit 2,3km zum Brewster Lake. Dan und Jan wechselten sich mit dem Kanu ab, während ich Kamel spielte und mit einem Rucksack auf dem Rücken und einem auf dem Bauch hinterher schlurfte. Eins war klar: Unser Weinvorrat muss dringend drastisch reduziert werden!!! 🍷

Captain Canoehead
Schultern polstern…
… für die unliebsame Portage.
Geschafft – easypeasy auf dem See.

Nachmittags lachte uns die Campsite Brewster Point am Brewster Lake an, an die sich für die kommende Nacht noch keine Menschenseele eingefunden hatte. Zeit zu schwimmen und unser Weingewicht zu minimieren. Am besten zeitgleich. 😇

Inkognito: Wein aus der Kaffeetasse
Weintrinken auf Kanadisch
Campsite Brewster Point
Bärensicherer Schlafplatz für unser Essen

Im Laufe des Abends wurden immer mehr der umliegenden Berge sichtbar. ❤️⛰️

Schneebedeckter höchster Gipfel Vancouver Islands: Golden Hinde

Später am Abend stieß noch eine Gruppe zu uns auf die Campsite. Da zwei von ihnen in Hängematten schliefen, war uns eine sorgenfreie Nacht sicher: Für die Bären wären die beiden Hängematten-Camper eine leichtere Beute als wir in unserem Zelt. 😅🐾

Am nächsten Tag ging es zunächst etwas beschwerlich voran. Wir mussten unser Kanu durch eine alte Brücke navigieren, an deren Pfahle massenweise Treibholz gespült wurde.

Danach ging es ähnlich knifflig weiter, da wir durch mehrere Bäche schippern mussten, die kaum Wasser führten. Hier hieß es immer wieder aussteigen und neben dem Kanu durchs Wasser zu waten.

Am Beginn des nächsten Sees fand Dan einen Flusskrebs im Wasser, den wir als iTüpfelchen für unser Mittagessen einfingen. Genauer gesagt für mein Mittagessen, denn Dan ist Vegetarier und Jan gegenüber Meerestieren generell eher skeptisch eingestellt. Gut für mich! 🤗

Ein bisschen Mitgefühl hatte ich natürlich schon, als wir den Krebs bei lebendigem Leib ins kochende Wasser warfen. Aber ich habe sein Zentimeterchen Fleisch sehr wertgeschätzt und es mir genussvoll auf der Zunge zergehen lassen. 🦐

Selbstgefangener Crayfish

Wieder hatten wir eine tolle Campsite nur für uns gefunden, die wir seit der Mittagspause genossen – zumal der verbleibende Weg der Sayward Canoe Route auch nicht mehr lang war.

Camping am Fry Lake
Seltener Anblick: Dan bei einem Nickerchen
Toilet with a view

Am nächsten Morgen paddelten wir früh für die letzten Kilometer in den Tag hinein, um dem im Laufe des Tages immer stärker werdenden Wind über dem Campbell Lake ein Schnippchen zu schlagen. Als wir aufwachten, war der Himmel das erste Mal während unserer Zeit in Kanada komplett bedeckt. Das wunderte uns, waren doch über 30 Grad vorausgesagt. Als wir um die Ecke gen Osten paddelten, erblickten wir einen feuerroten Ball am Himmel. So hatten wir die Sonne noch nie gesehen!

Meine Fotoversuche geben den Anblick leider nicht annähernd wieder. Es stellte sich heraus, dass der Rauch von den Waldbränden auf dem Festland nach Vancouver Island rübergezogen ist und wir die Sonne daher als roten Feuerball mit ganz klaren Umrissen sehen konnten – was für ein Abschluss für diese schöne Kanutour! 🌄

Sonne über Vancouver Island

2 Kommentare

  1. Was ne tolle Tour! Da wär‘ ich gern dabei gewesen! 🙂 Wie viel wiegt denn so ein Kanu? (Hoffe, ich hab diese Info nicht überlesen…)

Lass uns einen Kommentar da