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Ich habe sie nicht gefunden. Aber es muss sie geben. Die eine Packliste, nach der sich jeder Islandreisende richtet: eine Spiegelreflexkamera, ein windfestes Stativ und die Polar-Expeditions-Jacke von Jack Wolfskin. Wer auf Nummer sicher gehen will, packt direkt den ganzen Skianzug ein. ūüėČ

Jans Kommentar dazu:

Jan am Strand von Hvalnes

Als wir den S√ľden Islands von H√∂fn aus verlie√üen, strahlte die Sonne vom blauen Himmel. Hach, Island bei Sonne ist wirklich traumhaft. Um von S√ľden nach Norden zu kommen, muss man – genau – einmal den Osten durchqueren. ūü§ď Dieser ist vermutlich Islands am wenigsten beachtetes Fleckchen, da er keine nennenswerten Sehensw√ľrdigkeiten bereith√§lt. Und vielleicht h√§tten wir bei einer Schlechtwetterfront auch zugesehen, da schnellstm√∂glich durchzukommen. Aber bei Sonne hat dieser Landstrich einen solchen Charme, dass die 250km lange Strecke uns den ganzen Tag besch√§ftigte.

Wenn ich in die Bilder gucke, sehe ich, dass wir uns vor allem von der heimischen Tierwelt haben entz√ľcken lassen. ūüźŹūüźīūüźĎ

Die suchen sich aber auch immer die sch√∂nsten Flecken zum Grasen aus…
Ihr habt’s gut!
Irgendwann vergeht den Schafen immer die Lust am Fotografiert werden…
Diese Straßen!
Ich weiß nicht, wen ich lieber mag: Islandschafe oder Islandponys?
Juchu, eins kommt zu uns!
Und weil’s eigentlich nichts zu sehen gibt, stellen die Isl√§nder halt nen Stuhl raus.

Besonders angetan haben es mir die kleinen Orte, die Islands Ostk√ľste s√§umen. Wir statteten Dj√ļpivogur und Brei√įdalsv√≠k einen Besuch ab. Da die Orte direkt am Meer liegen, haben sie einen kleinen Hafen, an dem sich die Boote so wunderbar im Wasser spiegeln. In Dj√ļpivogur a√üen wir einen sehr sonderbaren vegetarischen Hotdog, der ohne W√ľrstchen aber daf√ľr mit Pommes und K√§se serviert wurde. ūü§ó

Dj√ļpivogur
Ich finde, dieser vegetarische Hotdog hat auch ein Recht auf ein Foto!

Am Ortsrand besuchten wir die kuriose Kunstinstallation¬†Eggin √≠ Gle√įiv√≠k – eine Nachbildung von 34 Eiern von in der Umgebung nistenden V√∂geln. Blieb dann auch unsere letzte Auseinandersetzung mit Kunst w√§hrend unserer Islandreise. Viel sch√∂ner fand ich sowieso, wenn man sich einmal umdrehte, den orangefarbenen Leuchtturm, der von einer Felsinsel ragte.

Kuriose Installation Eggin √≠ Gle√įiv√≠k
Wenn man sich von Eggin √≠ Gle√įiv√≠k umdreht, entdeckt man diesen sch√∂nen Leuchtturm.
Brei√įdalsv√≠k

Unsere Stops entlang der Route wurden einfach nicht weniger. Das ist wohl auch das Besondere an Island, dass man nicht nur von Sehensw√ľrdigkeit zu Sehensw√ľrdigkeit f√§hrt, sondern das ganze Land vor Natursch√∂nheit strotzt. Aber seht selbst.

Als wir am sp√§ten Nachmittag endlich am ersten Wasserfall f√ľr den Tag ankamen, hatte sich der Himmel zugezogen. Es ist ja Wahnsinn, wie schnell man sich daran gew√∂hnt, dass die Sonne vom Himmel strahlt und Dir die sch√∂nsten Naturschauspiele schenkt. Da kommen so Gedanken wie

„Wie viel Pech kann man eigentlich haben? Jetzt sind wir endlich am Wasserfall und die Sonne ist weg!?“

Ganz sch√∂n verzogen, oder? Vor allem nachdem wir die ersten Tage so sehr mit der Kombination Wasserfall + Regenbogen verw√∂hnt wurden, lag die Messlatte f√ľr alle zuk√ľnftigen Wasserf√§lle hoch. Wasserfall ohne Regenbogen? Langweilig! ūüėÖ

Zum Wasserfall¬†Hengifoss muss man erstmal eine halbe Stunde hinaufwandern. So wenig das klingt: Auf Island gibt es so unfassbar viel zu sehen, dass man sich zweimal √ľberlegt, ob es den Zeitaufwand wert ist! Aber da der Wasserfall aus einer Wand aus Basalt flie√üen soll, nahmen wir die Anstrengung in Kauf. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Hengifoss war einfach nicht so beeindruckend wie die anderen. Ist ok, Hengifoss, darfst Du auch. ūüėė

Hengifoss

Wir g√∂nnten uns an diesem Abend das erste Mal w√§hrend unserer Islandreise eine Unterkunft im Warmen, eine sogenannte Sleeping-Bag-Accomodation. Das hei√üt, dass man keine Bettw√§sche gestellt bekommt, sondern seinen Schlafsack dabei hat. F√ľr schlappe 90‚ā¨ waren wir in¬†Fellab√¶r¬†dabei.

Tag 6 –¬†Tagesausklang in der Blauen Lagune des Nordens

Am n√§chsten Morgen hing der Himmel tief √ľber uns – nicht die besten Voraussetzungen f√ľr unseren geplanten Besuch von zwei imposanten Wasserf√§llen: Dettifoss, dem leistungsst√§rksten Wasserfall Europas, und Selfoss. Naja, jetzt auch keine schlechten Voraussetzungen. Aber ich wollte einfach unbedingt nochmal einen Regenbogen √ľber einem Wasserfall sehen. Vielleicht sollte ich wohl eher dankbar sein, dass es dazu auf Island √ľberhaupt bereits gekommen war? ūü§Ē

Dettifoss Рder leistungsstärkste Wasserfall Europas
Selfoss

Und mal ehrlich – wasserreichster Fluss Europas hin oder her – solche Begegnungen sind doch viel sch√∂ner, oder? ūüėć

Mit den St√ľhlen irgendwo im Nirgendwo haben’s die Isl√§nder irgendwie…

Weiter ging es zur hufeisenf√∂rmigen Schlucht √Āsbyrgi im J√∂kuls√°rglj√ļfur Nationalpark. Um diesen Ort ranken sich einige isl√§ndische Mythen. Aufgrund der Hufeisenform hei√üt das Gebilde auch Odins Fu√üabdruck. Odin war mir pers√∂nlich jetzt nicht gel√§ufig; es ist der Hauptgott der nordischen Mythologie. Andere sagen, dies sei die Elfenhauptstadt. ūü§∑

Jan kann das auch mit dem passenden Outfit zur Landschaft
Die Felswand von √Āsbyrgi lie√ü sich so schlecht fotografieren… diese Enten planschen unter ihr!
Hier kann man im Sommer Papageientaucher sehen (1. Parkplatz an der Tj√∂rnes-Bucht)…
…im September jedoch nur noch Wildg√§nse.

Wir fuhren weiter Richtung Husavik, quasi dem Gegenteil einer Elfenhauptstadt: Die Whale Watching Hauptstadt. Wenn man nicht vorhat auf Walbeobachtungstour zu gehen (so wie wir), ist man in Husavik schnell durch. Umso besser: Mehr Zeit f√ľr das eigentliche Schmankerl dieses Tages – das Myvatn Nature Bath.

Husaviker Hafen
Husavik

Zwei gro√üe Becken sind im Myvatn Nature Bath, der Blue Lagoon des Nordens, mit badewannenhei√üem sowie badewannenwarmem nat√ľrlichem Thermalwasser gef√ľllt. Es war zwar einiges los, aber zu unserem Gl√ľck tummelten sich alle im hei√üen Becken. Da wir planten bis zum Sonnenuntergang zu bleiben, hielten wir uns lieber nur im warmen Wasser auf. Und auch dort waren unsere H√§nde nach f√ľnfzehn Minuten aufgequollen. Sonnenuntergang war ja auch nur noch drei Stunden hin… Merkw√ľrdigerweise quillen meine H√§nde st√§rker auf als Jans‚Ķ Irgendwelche Erkl√§rungsans√§tze? ūü§ď

Wie kann man einen Tag besser beenden?

Eins noch f√ľr diesen Tag, nur weil ich‚Äôs erw√§hnen m√∂chte: Ich lag sp√§tabends im Zelt, als Jan angerannt kam:

‚ÄúJasmin, komm schnell raus! Da sind Nordlichter am Himmel!‚ÄĚ

Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott – genau das will man doch h√∂ren, oder?!? Ich also ratzfatz raus aus dem Zelt, gucke in den Himmel und sehe – √§h, wo sollen Nordlichter sein? Ok, mit viel Goodwill sehe ich ein paar helle Schatten √ľber den Himmel ziehen. Und das sind Nordlichter?

Aber das Gute: Jetzt hatte ich endlich auf dem Schirm, dass ich mich genauer einlesen könnte, wann und wo und wie man die genau zu sehen bekommen kann.

Tag 7 – von einem unverhofften Wiedersehen und den verflixten Nordlichtern

Ob es nun daran lag, dass wir im Norden Islands waren, oder gerade ein Tief √ľber die Insel zog: Es k√ľhlte nachts inzwischen auf 2¬į runter und unsere Schlafs√§cke kamen so langsam an ihre Grenze. Also, wenn man mich fragt. Jan kann nicht nachvollziehen, wovon ich spreche. Ich schlafe mit M√ľtze und Handschuhen. Jan in Shorts und Oberk√∂rperfrei. ūüôą

Nichtsdestotrotz hatten sich auf dem Campground am See Myvatn (√ľbersetzt M√ľckensee) einige hartgesottene Camper eingefunden.

Ganz sch√∂n was los…

Der Myvatn ist mit zahlreichen Sehensw√ľrdigkeiten das touristische Zentrum des Nordens. Die blaue Lagune 2.0 befindet sich nicht zuf√§llig hier, sondern weil das Gebiet nur so strotzt vor hei√üen Quellen – nicht zuletzt befindet sich hier auch das 100km lange Vulkansystem Krafla.

An diesem Morgen windete es unangenehm und nieselte fies – und seien wir mal ganz ehrlich: Genau dieser feine Nieselregen passt halt auch durch jede Masche deiner Klamotten. ūüėĄ Somit fiel unser Sightseeing etwas k√ľrzer aus. Die angepriesenen atemberaubenden Aussichten waren an diesem Morgen leider eh nicht auszumachen.

Kratersee Víti Рwer in Erdkunde aufgepasst hat: ein Maar
Erdwärmeförderungskugel
warme Dusche im Nirgendwo
(zum baden zu) hei√üer See am Vulkan Leirhnj√ļkur
Erdspalte am Vulkan Leirhnj√ļkur

Am Myvatn liegt au√üerdem eines der bekanntesten Hochtemperaturgebiete Islands: Hverar√∂nd. √úberall steigt Wasserdampf und Schwefelwasserstoff aus der Erde und Schlammt√ľmpel blubbern vor sich hin. Nichts, was zu einem hei√üen Bad einl√§dt, aber irgendwie unwirklich und faszinierend.

Hochtemperaturgebiet Hverarönd
Wenn ich das richtig verstanden habe, nennt man so eine Wasser- und Schwefeldampf speiende Stelle Solfatar

Ein Muss ist definitiv ein Abstecher an der Hei√üwassergrotte Grj√≥tagj√°. Nicht nur, weil sie be√§ngstigend sch√∂n ist, sondern auch weil hier die Game of Thrones-Szene zwischen Jon und Ygritte gedreht wurde – wer die Serie kennt, wei√ü von welcher Szene die Rede ist. ūüėČ Oder gedreht worden sein sollte. Man wei√ü es nicht genau…

Der hei√üe See liegt in der geologischen Verwerfungszone zwischen den Kontinentalplatten¬†von Amerika und Europa. Fr√ľher war die Grotte (verst√§ndlicherweise) ein beliebter Ort f√ľr ein ausgiebiges Bad. Dann stieg die Temperatur jedoch auf 60¬įC und konnte nicht mehr genutzt werden. Inzwischen ist die Temperatur wieder auf um die 40¬į abgek√ľhlt. Aber zum einen steht ein Baden-verboten-Schild an den Eing√§ngen im Fels, zum anderen muss man schon ziemlich schmerzfrei sein, sich vor den regelm√§√üig vorbeischauenden Touribussen zu entbl√∂√üen.

Heißwassergrotte Grjótagjá Рein wahrgewordener Traum

Hatten wir erstmal das Gebiet rund um den Myvatn verlassen, sah das Wetter schon wieder viel freundlicher aus. Ich wusste es bis dato nicht, aber ich bin auf Island echt zum Torfhaus-Fan geworden. Die H√§user sind ein spannendes Zeugnis der Zeit, war diese Bauart doch eine Notl√∂sung, da Island einfach nicht √ľber gen√ľgend Baumbestand verf√ľgte um f√ľr all die Wikinger auszureichen, die auf die Insel einfielen. Ich finde sie aber ehrlich gesagt einfach nur h√ľbsch.

Torfhausmuseum Lauf√°s

Als nächstes fuhren wir nach Akureyri, mit 18.000 Einwohnern Islands zweitgrößte Stadt. Dort trafen wir uns mit Páll, den wir aus Neuseeland kennen und der in Reykjavik lebt, und verbrachten mit ihm seine Arbeitspause bei einem Kaffee.

Kaffeepause mit P√°ll
…viel zu schnell musste er wieder an die Arbeit…

P√°ll best√§tigte √ľbrigens, dass in der gestrigen Nacht die Polarlichter tats√§chlich au√üerordentlich aktiv waren, so dass er nachts seinen Bus rechts ran fuhr, um das Spektakel zu genie√üen. Wir waren also nur am falschen Ort, wo ein Wolkenschleier vor den Lichtern lag…

Gl√ľcklicherweise stand das Nordlichter-Barometer auch f√ľr diesen Abend auf 7 = sehr starke Aurora. Gleichzeitig muss man dann noch die Wolkenabdeckung checken – und zack wei√ü man, wo man sein muss f√ľr das beste Nordlichter-Viewing. Also theoretisch. ūüėé

P√°ll empfahl uns die Halbinsel/Fjorde n√∂rdlich von Akureyri entlang zu fahren: Die Stra√üe sei neu und die Landschaft einmalig. Und Tipps eines Einheimischen zu missachten w√§re frevelhaft! Und tats√§chlich: Es war richtig richtig sch√∂n. Am liebsten h√§tten wir dort irgendwo unser Zelt aufgeschlagen. Aber: Der Wolken-Vorhersagebericht zeigte √ľber diesem Gebiet eine Wolkendecke an = nicht gut f√ľr Nordlichter.

Ich hab ja so meine Lieblingsmotive auf Island: Einsame H√§user…
…einsame Stra√üen…
…und einsame Islandponys.
Ok, Islandpony-Herden finde ich auch ganz toll.
Siglufj√∂r√įur
Siglufj√∂r√įur

Wir bauten schlie√ülich auf einem privaten Campingplatz in Varmahl√≠√į unser Zelt auf. Wohlgemerkt war das f√ľr gerade mal 4‚ā¨ pro Person quasi hinterher geschmissen. Sonst zahlten wir eher so viel wie in Mexiko f√ľr ein Privatzimmer. Und die Besitzer meinten, dass am gestrigen Abend auch dort die Nordlichter ihr bezauberndes Unwesen trieben. Hach, das w√§r doch was! ūüėć

Als es so langsam dunkel wurde, schaute ich mir nochmal den Nordlichter-Vorhersagebericht an. Schockstarre. Warum steht da auf einmal eine Wahrscheinlichkeit von 0? Quasi nicht existente Wahrscheinlichkeit? Und wir haben hier gerade eine sternenklare Nacht?!? ūüė≠ūüė≠ūüė≠

3 Kommentare

  1. Und, gab’s denn die Nordlichter?!? Hattest mir gar nicht davon erz√§hlt als du bei mir warst… Ach, und gibt’s auf Island auch guten Kaffee? Mein Alter Ego braucht einen Grund, auch nach Island zu reisen… ūüėČ

  2. @Melanie: Wir hatten leider kein Gl√ľck mit Nordlichtern. Aber das reicht f√ľr mich schon als Grund nochmal hinzufliegen. ūüėĄ Wenn du dein Outdoor-Coffee-Set mitnimmst, kannst du tolle Landschaft doch perfekt mit gutem Kaffee verbinden. ūüėćūüėćūüėć

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