Nach fast einem Monat in Panajachel am Lago de Atitlán fuhren wir weiter nach La Antigua. Die Stadt ist das touristische Zentrum Guatemalas. Ich sag nur so viel: Hier gibt es einen McDonald’s, Burger King, Wendy’s, Subway, Dunkin Donuts… und hunderte anderer Cafés. Genau genommen ist die schöne koloniale Altstadt ausschließlich mit Unterkünften, Restaurants, Reiseagenturen und Souvenirshops aller Preisklassen gepflastert und hat mit Guatemala nichts am Hut.
In drei Bildern ist Antigua schnell beschrieben:



Zugegeben: Als wir ankamen, bereute ich es kurz angesichts der vielen tollen Cafés nicht in Antigua unseren Spanischkurs gemacht zu haben. Aber wenn der erste Kaffee getrunken und der erste Kuchen gegessen ist, hält sich die Verlockung des Überangebots toller Lokale auch schon wieder in Grenzen.
Antigua war bis zu einem schweren Erdbeben im Jahr 1773 Hauptstadt Guatemalas und ist aufgrund ihrer kolonialen Innenstadt und der sie umgebenen drei Vulkane Fuego, Agua und Acatenango eine echte Augenweide.




In Guatemala findet man alle naselang Vulkane. Insgesamt 34 säumen das Land. In unmittelbarer Umgebung von Antigua stehen vier davon, unter anderem einer der aktivsten Vulkane Zentralamerikas: der Volcán de Fuego. Und seinen Namen Feuervulkan soll er nicht zu unrecht tragen.
Allerdings erklimmt man nicht den Fuego selbst, sondern seinen (zur Zeit) inaktiven Nachbarvulkan Acatenango. Obwohl in Antigua von zahlreichen Reiseagenturen Expeditionen auf den Acatenango angeboten werden und der Aufstieg eine beliebte Touristenaktivität ist, hatte ich ordentlich Respekt vor der Tour:
Man wandert bis auf 3600 m Höhe mit sämtlichem Gepäck für die Nacht, 4 l Wasser sowie Verpflegung auf dem Rücken. Nachts soll die Temperatur auf den Gefrierpunkt sinken. Gegen 4 Uhr morgens steigt man dann die restlichen 400 Höhenmeter auf den Gipfel um von dort den Sonnenaufgang zu erleben, bevor es an den 2000 Höhenmeter Abstieg geht.
Soweit, so gut. Leider stand in den Erfahrungsberichten nicht weniger Leute, dass die Wanderung wahnsinnig anstrengend sei, sie aufgrund des schlechten Wetters überhaupt nichts sahen, oder es einfach unglaublich kalt gewesen sei. Als wenn mich das nicht schon genügend verunsicherte, waren im Januar auch noch sechs Menschen auf dem Gipfel gestorben, als überraschend ein übles Unwetter aufzog. Nicht gerade ermutigend. Aber hey, wird schon gut gehen, oder?
Wir hatten ein Argusauge auf den Wetterbericht und suchten uns den besten Tag und besten Tourenanbieter raus, kauften noch Regenponchos und Handschuhe und los ging’s!



Unsere Gruppe war mit sieben Wanderern und unserem Guide sehr überschaubar - und glücklicherweise war niemand mega ambitioniert, so dass wir sehr gemächlich die 1500 Höhenmeter zu unserem Basecamp erklommen. Wer hätte das gedacht: Wenn man das richtige Tempo anschlägt und genügend Pausen zum Durchatmen macht, fühlt sich wandern auf 3000 m nicht anders an als auf 1000 m!


Auf halbem Wege spürten wir plötzlich Tropfen auf der Haut. Allerdings waren es keine Wassertropfen sondern ein Ascheregen des Vulkans!
Nach sechs Stunden Wanderung war unser Camp auf 3600 m mit freier Sicht auf den Volcán de Fuego erreicht!
Wir hatten ihn bereits während der gesamten Wanderung donnern gehört und nun belohnte er uns mit regelmäßigen Eruptionen dunkler Rauchwolken. ❤️ Wir waren fasziniert von seinen fortwährenden Ausbrüchen - aber es sollte noch besser kommen…





Denn was wir nicht ahnten, war, dass er die ganze Nacht hindurch Lava sprühen würde! Einfach Wahnsinn! Nicht von dieser Welt!


Immer wenn wir gerade das Zelt schlossen, explodierte der Vulkan erneut ohrenbetäubend und spieh Lava in die Luft, so dass wir schnell wieder den Reißverschluss öffneten und das Spektakel weiter bestaunten. Es kam mir währenddessen bereits unwirklich vor. Aber jetzt im Nachhinein kann ich selbst kaum glauben, dass wir dieses Wunder der Natur tatsächlich mit eigenen Augen gesehen haben…
Meine Bilder werden den Vulkanausbrüchen übrigens null gerecht. Die gute Christin hatte eine Spiegelreflexkamera dabei, da sehen die Bilder dann so aus:



Nach gefühlten zehn Minuten Schlaf klingelte um 3:30 Uhr auch schon der Wecker, um die letzten 400 Höhenmeter auf den Gipfel in Angriff zu nehmen. Unsere Gruppe trat den Kraftakt in leicht dezimierter Zahl an; unter anderem Jan bevorzugte es noch ein paar Stunden weiterzuschlummern…
Glücklicherweise konnten wir unser Gepäck im Camp lassen und unser Guide reduzierte das Tempo vom Vortag nochmal und gönnte uns alle 10 Minuten ein paar Atemzüge zum Verschnaufen. So war der Aufstieg zwar immer noch anstrengend, aber nicht so qualvoll wie ich befürchtet hatte.

Nach einer guten Stunde waren wir als erste Gruppe auf dem Gipfel um den Sonnenaufgang hinter dem Volcán de Agua zu genießen. Okay, ehrlich gesagt, es war zu kalt um das Schauspiel so richtig zu genießen, aber wir gaben unser Bestes.



Besonders faszinierend fand ich den Schatten, den der Fuego warf. Es sah aus wie ein weiterer (Phantom-)Vulkan. Sehr spektakulär. Ich hatte das weder bisher gesehen noch erwartet!

Als unsere Hände abgefroren waren, traten wir den Rückweg an. Wahnsinn wie schnell man hinabläuft, was man zuvor so mühevoll erklommen hatte…
Die Tour war auf jeden Fall eines unserer ganz großen Highlights, wenn nicht sogar DAS Highlight überhaupt. Wir hatten unglaublich viel Glück, dass uns der Regen fast komplett verschont hat und der Vulkan einen sehr aktiven Tag und eine noch aktivere Nacht hatte.
Wobei erst heute ein Bericht erschienen ist, dass der Fuego derzeit außerordentlich aktiv ist… Vielleicht hatten wir auch sogar mehr Glück als Verstand, dass alles gut gegangen ist?
Nächstes Ziel: Costa Rica!
Unsere Route:

